Pirnaer Werkstätten - Anerkannte Werkstatt für behinderte Menschen -
Schlosspark 9 - 12
01796
Pirna - [Ansprechpartner]
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Im Berufsbildungsbereich bereiten sich neue Mitarbeiter auf ihr Berufsleben vor. Sie werden auf der Grundlage von Lehrplänen ausgebildet. Das erste Ausbildungsjahr vermittelt Grundkenntnisse in den Fachkursen Holz, Metall, Montage und Kreativ und schließt mit einer fünftägigen Bildungsfahrt ab. Im zweiten Jahr wird die Ausbildung in den nach individuellen Interessen und Voraussetzungen gewählten Fachrichtung fortgesetzt und der Wechsel in den Arbeitsbereich vorbereitet.
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Förder- und Betreuungsbereich - Unter dem verlängerten Dach der Werkstatt betreuen und fördern wir Menschen ab 18 Jahre, die den Anforderungen einer Werkstatt nicht, noch nicht oder nicht mehr gewachsen sind. Elemente der Tagesstruktur in diesem Bereich sind Morgenkreis, Gruppen- und Einzelförderung, Spaziergänge und Angebote für die Sinne, die das Wohlbefinden der hier betreuten Menschen unterstützen. Mit Sprach-, Sport-, Arbeitstherapie und weiteren Angeboten fördern wir die Fähigkeiten der Betreuten und auf diesem Wege ihre Selbständigkeit, wenn möglich, bis hin zum Wechsel in die Werkstatt.
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Wir bieten unseren Mitarbeitern Unterstützung bei Alltagsfragen und Problemen und trainieren soziale Kompetenz. Bei Bedarf unterstützen wir in rechtlichen Fragen wie Schwerbehindertenrecht und Sozialhilferecht, vermitteln zu Fachdiensten und begleiten
zu Behörden.
Wir beraten Sie auch zu den Möglichkeiten des Persönlichen Budgets.
Mit Kursen wie Kulturtechnik, Fotokurs oder Kosmetik und Besuchen kultureller Veranstaltungen - Konzert, Dixieland, Theater, Disco - unterstützen wir die Freizeitaktivitäten unserer Mitarbeiter. Einmal im Monat ist Kinotag.
Der Mal- und Zeichenzirkel, geleitet von dem Dresdner Maler und Grafiker Klaus Drechsler, trifft sich jede Woche montags.
Sportliche Aktivitäten fördern wir durch Sponsoring des Sportvereins Fortschritt Pirna, wo die Mehrheit unserer Mitarbeiter organisiert und in den Sportgruppen Schwimmen, Wandern, Kegeln, Fußball und Gymnastik aktiv ist.
Für Mitarbeiter mit Körperbehinderungen bieten wir physiotherapeutische Behandlung, therapeutisches Reiten und Ergotherapie an. Beliebt ist auch die tägliche Pausengymnastik.
Wir organisieren Ferienfreizeiten und Bildungsfahrten sowie Exkursionen zu Sehenswürdigkeiten unserer Region.
Gegenwärtig bereiten wir die Gründung einer Theatergruppe vor.
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Die Werkstatt in der Tradition von Dr. Pienitz
Auf dem Sonnenstein in Pirna wurde 1811 die Königlich Sächsische Heil- und Verpflegungsanstalt als eine der ersten psychiatrischen Einrichtungen in Deutschland gegründet. Dr. Ernst Gottlob Pienitz wirkte hier als Wegbereiter offener Betreuungsformen. Er entwickelte ein fortschrittliches psychiatrisches Behandlungskonzept, wonach - den Neigungen und Fähigkeiten der Patienten folgend - Arbeit und Beschäftigung unter therapeutischen Gesichtspunkten eingesetzt wurden. Der ausgedehnte Garten, mehrere Werkstätten und Wirtschaftseinrichtungen boten dafür vielfältige Möglichkeiten. Die Heilerfolge waren für die damalige Zeit außergewöhnlich, verdienstvoll auch das Bemühen um die soziale Reintegration entlassener Patienten. Die Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein erwarb sich nationalen und internationalen Ruf als reformpsychiatrische Einrichtung.
In dieser Tradition sehen wir unsere moderne Einrichtung heute am selben Ort.
1939 wurde die Einrichtung geschlossen. In der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft erfuhr der Sonnenstein ein grauenvolles Kapitel. Hier wurden in den Jahren 1940/41 13 720 psychisch kranke und geistig behinderte Menschen umgebracht. Nach dem Sitz der Kommandozentrale auf der Berliner Tiergartenstraße 4 benannt, lief die Massenvernichtung Kranker und Behinderter als Aktion T4. Hinzu kommen über eintausend weitere Opfer, arbeitsunfähige Häftlinge aus Konzentrationslagern, die im Rahmen der Sonderbehandlung 14f13 ermordet wurden.
Seit Ende der siebziger Jahre arbeiten auf dem Sonnenstein wieder Menschen unter geschützten Bedingungen. Aus dem Kreisrehabilitationszentrum Pirna ging 1991 die Werkstatt für Behinderte in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt hervor.
Nach Jahrzehnten des Verdrängens begann zu Beginn der neunziger Jahre die historische Aufarbeitung. Mit dem Grundstein für unseren neuen Werkstattkomplex wurde der Grundstein für eine Gedenkstätte für die Opfer der NS-Euthanasie Pirna-Sonnenstein gelegt. Diese Entscheidung ermöglicht Gedenken und Geschichtsbewusstsein und zugleich Engagement für jene Mitmenschen, die in einer Gesellschaft des Wettbewerbs zu den Schwächeren gehören.
Die modernen Pirnaer Werkstätten mit Arbeits- und Betreuungsangeboten sind unsere Antwort auf die besondere Verantwortung, die uns wie der ganzen Gesellschaft auferliegt.
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